Weitgehend unbekannt in der Öffentlichkeit existiert in Köln eine Filmsammlung, die hohen Wert auf die Qualität der enthaltenen Filme legt und einen weiten Überblick über das internationale Filmschaffen bietet. Seit Mitte der Fünfziger Jahre engagierte sich der Kölner Leo Schönecker nicht nur in Arbeitskreisen und Diskussionsrunden zu filmthematischen Fragen, sondern er begann, selbst Filme zu sammeln, vorzuführen und zu verleihen. Seine Sammlung wurde bis zu seinem Tod im Jahr 2013 beständig fortgeführt und erweitert. Unter Filmkennern und Kuratoren war die Sammlung bekannt, gerne griff man auf die Bestände dort zurück. Insgesamt enthält das Archiv rund 1.200 Filmtitel. Nun ist es an der Zeit, diese Kostbarkeit öffentlich vorzuzeigen.
Die Filme liegen sämtlich in analoger Form vor, meistens im Format 16mm, etliche im Format 35mm. In den Kinos hat unterdessen seit einigen Jahren die Digitalisierung Einzug gehalten. Eine Vorführung von „richtigem“ Zelluloid hat inzwischen Ereignischarakter. Bei der Vorführung von Zelluloid gibt es Artefakte, die jede Kopie einzigartig machen. Es sind diese Gebrauchsspuren wie Schmutzpartikel, Kratzer, Bildstandsbewegungen etc. In jede Filmkopie ist somit auch die Geschichte ihrer Aufführungen mit eingeschrieben. Auch diesen Aspekt wollen wir vorstellen und die Vor- und Nachteile digitaler und analoger Vorführungen sichtbar machen.
BRD 1971, 102‘, 16mm, R: Volker Schlöndorff
Volker Schlöndorffs Film „Der plötzliche Reichtum der armen Leute von Kombach“ basiert auf der Chronik einer wahren Begebenheit: im Mai 1822 überfallen in Oberhessen acht Bauern und Tagelöhner den kurfürstlichen Geldtransport, der regelmäßig mit Steuergeldern unterwegs ist. Verheerende Missernten und hohe Abgaben haben sie und ihre Familien ins Elend gestürzt und empfänglich gemacht für den Plan des fliegenden Händlers Briel zu dem fatalen Raub, der nach zahlreichen Fehlversuchen schließlich gelingt. Sie wollen ihre Heimat nicht verlassen wie viele andere Auswanderer, die im Film zitiert werden, sondern sich mit dem Geld lang ersehnte Wünsche erfüllen. Doch das macht sie schon verdächtig; die Tat wird schnell aufgeklärt und mit brutalen Hinrichtungen geahndet. Gedreht wurde an Originalschauplätzen im Odenwald und in der Wetterau, ohne aufwendige Kulissen. Neben professionellen Darstellern spielten viele Laien aus der Region mit. Ihr hessischer Dialekt und Zitate aus
historischen Quellen erhöhen die Authentizität der Darstellung.
Eine Veranstaltung von Julia Schönecker-Roth und Joachim Steinigeweg
Eintritt: 8,00 / 7,00 € erm., Karten an der Kinokasse
Vorbestellung: joachim.steinigewegemail.de