Weitgehend unbekannt in der Öffentlichkeit existiert in Köln eine Filmsammlung, die hohen Wert auf die Qualität der enthaltenen Filme legt und einen weiten Überblick über das internationale Filmschaffen bietet. Seit Mitte der Fünfziger Jahre engagierte sich der Kölner Leo Schönecker nicht nur in Arbeitskreisen und Diskussionsrunden zu filmthematischen Fragen, sondern er begann, selbst Filme zu sammeln, vorzuführen und zu verleihen. Seine Sammlung wurde bis zu seinem Tod im Jahr 2013 beständig fortgeführt und erweitert. Unter Filmkennern und Kuratoren war die Sammlung bekannt, gerne griff man auf die Bestände dort zurück. Insgesamt enthält das Archiv rund 1.200 Filmtitel. Nun ist es an der Zeit, diese Kostbarkeit öffentlich vorzuzeigen.
Die Filme liegen sämtlich in analoger Form vor, meistens im Format 16mm, etliche im Format 35mm. In den Kinos hat unterdessen seit einigen Jahren die Digitalisierung Einzug gehalten. Eine Vorführung von „richtigem“ Zelluloid hat inzwischen Ereignischarakter. Bei der Vorführung von Zelluloid gibt es Artefakte, die jede Kopie einzigartig machen. Es sind diese Gebrauchsspuren wie Schmutzpartikel, Kratzer, Bildstandsbewegungen etc. In jede Filmkopie ist somit auch die Geschichte ihrer Aufführungen mit eingeschrieben. Auch diesen Aspekt wollen wir vorstellen und die Vor- und Nachteile digitaler und analoger Vorführungen sichtbar machen.
D 1923, 87’, 16mm, stumm, R: Arthur Robison
Im Mittelpunkt des expressionistischen Stummfilms „Schatten – Eine nächtliche Halluzination“ steht ein wohlhabendes Ehepaar, dessen Beziehung von Eifersucht und Misstrauen geprägt ist. Die reizvolle, verführerische Ehefrau wird gleich von mehreren Verehrern umworben, was den Argwohn ihres Mannes noch verstärkt. Während eines Abendessens mit diesen Männern spitzt sich die angespannte Stimmung zu. Ein geheimnisvoller Schausteller tritt auf und versetzt die Gesellschaft mit seinem Schattenspiel in eine Art hypnotischen Zustand. In diesem Traum erleben die Anwesenden, wie sich ihre unterdrückten Gefühle und Ängste in dramatischen Bildern entfalten. Verzerrte Perspektiven und Schatten an den Wänden werden dabei zu Ausdrucksträgern ihrer inneren Konflikte. In der Halluzination steigert sich die Eifersucht des obsessiven Ehemanns bis zur Gewalttat. Als die Vision endet, erkennen die Figuren die zerstörerische Kraft ihrer Leidenschaften.
Die Vorführung wird von Stummfilmmusiker Wilfried Kaets begleitet.
Eine Veranstaltung von Julia Schönecker-Roth und Joachim Steinigeweg
Eintritt: 8,00 / 7,00 € erm., Karten an der Kinokasse
Vorbestellung: joachim.steinigewegemail.de