Lee Ufan
Wolfgang-Hahn-Preis 2026

7. Novem­ber 2026 – 4. April 2027

Der Künstler Lee Ufan (*1936, lebt in Kamakura, Japan) wird mit dem 32. Wolfgang-Hahn Preis der Gesellschaft für Moderne Kunst am Museum Ludwig ausgezeichnet. Die Preisverleihung findet am 6.11.2026 um 18.30 Uhr während der Kunstmesse Art Cologne im Museum Ludwig statt.  Der Eintritt ist frei.  

In seiner Kunst begegnen sich konträre Kräfte wie Leere und Spannung, Stille und Energie. Als Mitbegründer der aus Japan stammenden minimalistisch arbeitenden Mono-ha-Bewegung („Schule der Dinge“), einem Kollektiv von Künstler:innen in Tokio zwischen 1968 und 1975, sucht er bis heute nach einer harmonischen Neuordnung der Dinge. Seit den 1970er-Jahren prägt vor allem seine reduzierte Malerei die internationale Kunstszene. Auch in seiner jüngsten Gemäldeserie Response (2024–2026) arbeitet Lee mit einem breiten Pinsel, mit dem er Striche auf großformatigen Leinwänden platziert. Diese Elemente erscheinen als isolierte Formzeichen, rhythmisch strukturierte Muster, monochrom mit Schattierungen ins Hellweiße und Dunkelgraue. Den Malakt betrachtet Lee dabei als „ein reines und absolutes Ereignis“ mit einer unmittelbaren, vom rationalen Kalkül gelösten Begegnung zwischen Künstler, Material und Bildträger – einer transzendenten Erfahrung des Einsseins mit der Welt, einer Erfahrung, die er mit den Betrachtenden teilen möchte. Im Museum Ludwig stellt Lee Ufan einen Raum mit fünf Response-Gemälden aus, darunter auch das Bild, das die Gesellschaft für Moderne Kunst für die Sammlung des Museum Ludwig erwirbt. Der Künstler erläutert: „Um 2015 begann ich, mit einem breiten, flachen Pinsel aktiv komplexe, mehrfarbige Striche aufzutragen. Wenn ich beispielsweise einen blauen Strich male, verwende ich mehrere Blautöne und trage sie nicht in einem einzigen Durchgang auf, sondern in vier bis fünf Schichten, wobei ich vier oder fünf Tage lang täglich eine Schicht auftrage, um das Werk fertigzustellen. Durch die Schichtung der Pinselstriche wird die Leinwand räumlich, wodurch die Vielschichtigkeit der Zeit offenbart wird. (…) Wichtig ist mir, dass sich die kraftvollen Farbstriche in ihrer Wechselbeziehung mit dem unberührten weißen Raum wie unsichtbare Wellen und unhörbare Resonanzen ausbreiten und dadurch eine wundersame malerische Qualität annehmen.“

Die diesjährige Gastjurorin Mami Kataoka, Direktorin des Mori Art Museums in Tokio, erläutert die Entscheidung der Jury zum Wolfgang-Hahn-Preis: „Lee Ufan hat darüber gesprochen, wie seine Erfahrungen mit mehreren Ausstellungen in Deutschland in den 1970er Jahren seine Arbeit auf die Weltbühne gebracht haben. Im Laufe seiner sechzigjährigen Karriere hat er sich mit der wesentlichen Bedeutung der Existenz in allen Beziehungen beschäftigt, die über Ost und West hinausgehen – ohne dabei dem westlichen Modernismus zu folgen oder sich in östliche spirituelle Traditionen zurückzuziehen. Unser heutiges Interesse an Lee Ufans Schaffen, das uns ein Bewusstsein für ganzheitliche Perspektiven vermittelt, entspringt möglicherweise unserer Sehnsucht nach zwischenmenschlichen Beziehungen, die die Grundlage unserer Menschlichkeit bilden. Lee Ufans Werk wird eine großartige Bereicherung für die Sammlung des Museum Ludwig sein und zu dessen globaler Ausrichtung beitragen.“

„Die Werke von Lee Ufan stehen schon sehr lange auf meiner persönlichen Wunschliste für die Sammlung des Museum Ludwig. Umso mehr freue ich mich, dass Lee Ufan den Preis annimmt“, erläutert Dr. Yilmaz Dziewior die Entscheidung der Jury für Lee. „Der heute 90-jährige Künstler pflegt einen engen Bezug zur Kunstszene in Deutschland, vor allem zum Rheinland: Zur Eröffnung des Museum Ludwig vor 50 Jahren waren seine Arbeiten in der Kunsthalle Düsseldorf, dem Glaskasten in Marl, der Galerie m in Bochum und bereits im Museum Ludwig selbst zu sehen. Bis heute fehlte aber ein Werk des Künstlers in der Sammlung. Diese Leerstelle wird nun mit der Erwerbung zum Wolfgang-Hahn-Preis geschlossen.“

Mayen Beckmann, Vorstandsvorsitzende Gesellschaft für Moderne Kunst: „Die Nominierung von Lee Ufan reiht sich in eine lange Liste konzeptuell arbeitender Wolfgang-Hahn-Preisträger:innen seit 1994 ein und ist nach Haegue Yang erneut eine künstlerische Position aus Südkorea zur Erweiterung der Sammlung. Lees Werk für die Sammlung des Museum Ludwig knüpft hervorragend an die Sammelleidenschaft des Ehepaares Peter und Irene Ludwig an, die sich von Beginn an für asiatische Kunst interessierten. Nur mit Hilfe des großzügigen Entgegenkommens des Preisträgers gelingt eine Erwerbung. Finanziert wird der Wolfgang-Hahn-Preis aus den Beiträgen unserer engagierten Mitglieder.“

 

Über Lee Ufan

Lee Ufan, 1936 in Südkorea geboren, ging mit 20 Jahren nach Tokio, wo er 1961 ein Philosophiestudium an der Nihon University abschloss. Ab 1969 führte er die Mono-Ha Bewegung an und war von 1973 bis 2007 Professor an der Tama Art University in Tokio. 2001 wurde ihm der 13. Praemium Imperiale für Malerei in Tokio verliehen.

 

Über den Wolfgang-Hahn-Preis

Der Wolfgang-Hahn-Preis wird jährlich von der Gesellschaft für Moderne Kunst am Museum Ludwig vergeben, 2026 bereits zum 32. Mal. Mit der Auszeichnung sollen vorrangig zeitgenössische Künstler*innen geehrt werden, die sich in der Kunstwelt durch ein international anerkanntes Œuvre bereits einen Namen gemacht haben, in Deutschland aber noch nicht so bekannt sind, wie sie es verdienen. Das Preisgeld in Höhe von maximal 100.000 Euro setzt sich aus den Beiträgen der Mitglieder zusammen und fließt in den Erwerb eines Werks oder einer Werkgruppe der Künstler:innen für die Sammlung des Museum Ludwig. Mit dem Preis verbunden sind vom Museum Ludwig organisierte Ausstellungen der erworbenen Arbeit(en) der Preisträger*innen sowie die Herausgabe einer begleitenden Publikation.

Der Name des Preises ehrt das Andenken an den passionierten Kölner Sammler und Gemälderestaurator Wolfgang Hahn (1924–1987), der sich in vielfältiger Hinsicht für die Kunst der europäischen und amerikanischen Avantgarde in Köln engagierte. Die Gesellschaft für Moderne Kunst fühlt sich seinem vorbildlichen Wirken als Sammler, als ihr Gründungsmitglied und als Leiter der Restaurierungswerkstätten des Wallraf-Richartz-Museum und des Museum Ludwig verpflichtet.

Die bisherigen Preisträger*innen sind hier nachzulesen.

Publikation

Der Katalog Lee Ufan. Wolfgang-Hahn-Preis 2026, hrsg. von Pia Gamon mit einem Vorwort von Mayen Beckmann und Yilmaz Dziewior und Texten von Lee Ufan und Mami Kataoka erscheint im Verlag der Buchhandlung Walther und Franz König und kostet 14,80 Euro im Buchhandel.

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