Pro­gramm 2021

Diese Son­der­auss­tel­lun­gen präsen­tieren wir Ih­nen im Jahr 2021.

Au­gust & Marta
Wie Au­gust San­der die Ma­lerin Mar­ta Hege­mann (und ihr Kin­derz­im­mer!) fo­to­gra­fierte

Eine Präsen­ta­tion für Kin­der

16.10.2021 – 23.1.2022

Wie stolz und wild sie auf dem Fo­to von Au­gust San­der aussie­ht, die Ma­lerin Mar­ta Hege­mann, die ei­gentlich mal Lehrerin war. Bluse und Hals­kette schei­nen ir­gend­wie ver­rutscht und ins Gesicht hat sie sich außer­dem aller­lei Zeichen ge­malt. Als Mar­ta Hege­mann vi­er Jahre später einige Wandgemälde für ein Kin­derz­im­mer ent­warf, war es wied­er Au­gust San­der, der die Ar­beit daran und das Ergeb­nis mit der Kam­era fes­thielt.

Zu se­hen waren die Gemälde 1929 in der Auss­tel­lung Raum und Wand­bild im Köl­nischen Kun­stverein. Lei­der gel­ten sie sei­ther als ver­s­chollen. Dank der Auf­nah­men von San­der wis­sen wir aber wie sie aus­sa­hen - zu­min­d­est in Sch­warzweiß - und kön­nen ver­suchen, das Kin­derz­im­mer nachzustellen. In dies­er für Kin­der konzipierten Präsen­ta­tion näh­ern wir uns durch Fo­to­gra­fien ein­er unange­passten Frau, die auch für die Klei­nen malte.

Ku­ra­torin: Miri­am Szwast

#M­Lx­Au­gus­tUnd­Mar­ta

Schultze Pro­ject­s#3
Min­er­va Cue­vas

06.11.2021 – Novem­ber 2023

Für die dritte Aus­gabe der Rei­he Schultze Pro­jects wird Min­er­va Cue­vas (*1975 in Mex­i­co Ci­ty) eine neue, ortsspez­i­fische Ar­beit für das Trep­pen­haus des Mu­se­um Lud­wig en­twick­eln. Der Name der Rei­he bezie­ht sich auf Ber­nard Schultze und seine Ehe­frau Ur­su­la (Schultze-Bluhm), deren Nach­lass das Mu­se­um Lud­wig ver­wal­tet und zu deren Ge­denken seit 2017 alle zwei Jahre eine kün­st­lerische Po­si­tion ein­ge­la­den wird, ein groß­for­matiges Werk für die pro­mi­nente Stirn­wand im Auf­gang zur Samm­lung anzufer­ti­gen.

Min­er­va Cue­vas ist bekan­nt für ihre recherche­basierten Pro­jekte, die sie in Form von In­s­tal­la­tion, Per­for­mance, Video und Malerei ausstellt. Ihr In­teresse gilt wirtschaftlichen und ökol­o­gischen Frages­tel­lun­gen und deren soziopoli­tischen Ver­flech­tun­gen. Dabei nimmt sie häu­fig Bezug auf den konkreten Zusam­men­hang, in dem ihre Ar­beit ent­ste­ht. So en­twick­elte sie et­wa für die Ju­biläum­sauss­tel­lung zum 40-jähri­gen Beste­hen des Mu­se­um Lud­wig eine Ar­beit in Ref­erenz auf die Peter und Irene Lud­wig Stif­tung, die 1982 als Lud­wig Stif­tung für Kunst und in­ter­na­tio­nale Ver­stän­di­gung GmbH ge­grün­det wurde. Hi­er­für ent­warf sie eine In­s­tal­la­tion aus einem sch­warzen rechtec­ki­gen Holzgerüst mit roten, gel­ben und blauen Far­bakzen­ten, die in ihr­er Kom­po­si­tion an das ab­s­trakte Gemälde von Pi­et Mon­drian Tableau I erin­n­erte. Dessen Ankauf war sein­er Zeit sehr um­strit­ten, und heute zählt es zu den High­lights der Samm­lung des Mu­se­um Lud­wig. In dies­er In­s­tal­la­tion, ähn­lich wie in ei­ni­gen ihr­er an­deren Ar­beit­en, beschäftigt sich die Kün­st­lerin mit dem ge­sellschaftlichen Po­ten­tial und den Auswirkun­gen kün­st­lerisch­er Praxis. In die­sem Sinne be­greift Min­er­va Cue­vas Kunst als ak­tiv­en Bei­trag zu sozialen Verän­derun­gen. Malerei be­nutzt sie dabei eher als Mit­tel zum Zweck und weniger als Au­sei­nan­derset­zung mit den Vo­raus­set­zun­gen und Regeln dersel­ben. Für ihre groß­for­mati­gen Wand­bilder be­di­ent sie sich mi­tun­ter der Sprache der Wer­bung, das heißt konkreten Marken­l­o­gos, die sie je­doch sig­ni­fikant verän­dert. Ihr­er kri­tischen Vorge­hen­sweise fol­gend verdeut­licht Min­er­va Cue­vas mit ihr­er Malerei die neg­a­tiv­en Auswirkun­gen der Kon­sumwelt und der wirtschaftlichen Aus­rich­tung men­sch­lichen Han­delns auf Ge­sellschaft und Umwelt.

Zu Einze­lauss­tel­lun­gen von Min­er­va Cue­vas ge­hören un­ter an­derem: Disi­den­cia, Mishkin Gallery, New York, USA (2019); No Room To Play, daad­ga­lerie, Ber­lin (2019); Dis­sidên­cia, Galpão VB – As­so­ci­ação Cul­tu­r­al Video­brasil, São Pau­lo (2018); Fine Lands, Dal­las Mu­se­um of Art, (2018); Min­er­va Cue­vas, Museo de la Ci­u­dad de Méx­i­co, (2012); Land­in­gs, Corn­er­house, Manch­es­ter, (2012); S·­COOP, Whitechapel Art Gallery, Lon­don (2010); Min­er­va Cue­vas, Van Abbe­mu­se­um, Eind­hoven, (2008); Pheno­m­e­na, Kun­sthalle Basel, (2007); Das Ex­per­i­ment 6: MVC Biotech­no­lo­gies – Für ein natür­lich­es In­ter­face, Se­ces­sion, Wien (2001); On So­ci­e­ty, MC Kunst, Los An­ge­les (2007); Egal­ité, Le Grand Café–Cen­tre d’art con­tem­po­rain, Saint Nazaire (2007); Sch­warz­fahr­er Are My Heroes, daad­ga­lerie, Ber­lin (2004); Me­jor Vi­da Corp, Ta­mayo Mu­se­um, Mex­i­co Ci­ty (2000).&nb­sp;

Ku­ra­tor: Yil­maz Dziewior

#M­Lx­Cue­vas #schultze­pro­jects

Ausstel­lung

HI­ER UND JET­ZT im Mu­se­um Lud­wig
zusam­men dafür und dage­gen

13.11.2021 - 13.2.2022

Die siebte Aus­gabe der Auss­tel­lungs­rei­he HI­ER UND JET­ZT im Mu­se­um Lud­wig beschäftigt sich mit der Ja­panischen Avant­gard­ed­er 1960er Jahre aus ein­er heu­ti­gen Per­spek­tive. Auf welche En­twick­lun­gen der Nachkriegszeit reagierten Kün­stler*in­nen da­mals? Was mo­tivierte ihre auf­se­hen­er­re­gen­den öf­fentlichen Ak­tio­nen? Und wie bezie­hen sich heute zeit­genös­sische Kün­stler*in­nen auf diese his­torische Strö­mung?

Die Ja­panische Avant­garde der Nachkriegszeit ent­s­tand im An­sch­luss an die Be­satzung des Lan­des durch die US-amerikanische Armee (1945 bis 1952). Sie ist eng verknüpft mit der ge­sellschaftlichen Umori­en­tierung in dies­er Zeit: Die Demokratisierung Ja­pans un­ter dem fi­nanziellen und poli­tischen Ein­fluss der USA ging ein­her mit einem ökonomischen Wach­s­tumsschub, sozialen Umwälzun­gen und ein­er kul­turellen Neu­veror­tung.

Auf den Wider­s­tand und De­mon­s­tra­tio­nen von Studieren­den und Gew­erkschaften ant­wortete die Pol­izei mit Ge­walt. Par­al­lel lie­fen auf of­fizieller Ebene die Vor­bere­i­tun­gen für die Olympischen Spiele in Tokio 1964 und die Ex­po in Os­a­ka 1970, die das Land in­no­va­tiv und at­trak­tiv darstellen soll­ten.

Die Auss­tel­lung präsen­tiert Fo­to­gra­fien von Ak­tio­nen und Per­for­mances ver­schie­den­er Kün­stler*in­nen-Kollek­tive der 1960er Jahre aus der Samm­lung des Mu­se­ums M+ in Hong Kong. Gleichzeitig ent­ste­ht durch die spon­ta­nen, hu­mor­vollen und teil­weise radikalen In­ter­ven­tio­nen des Kollek­tivs Chim↑Pom (ge­grün­det 2005 in Tokio) und aktuelle Ar­beit­en von Ko­ki Ta­na­ka (*1975) ein gen­er­a­tion­süber­greifen­d­er Dia­log. Grup­pen wie Neo Da­da, Hi Red Cen­ter und Ze­ro Di­men­sion protestierten da­mals ge­gen die Sta­tionierung der US-Armee in Ja­pan, die Be­nachteili­gung von Mi­grant*in­nen. Heute erkun­den Chim↑Pom und Ko­ki Ta­na­ka Potenziale des Wider­s­tands auf ihre Weise: Ihre Ar­beit­en be­fassen sich mit per­sön­lichen Lebensen­twür­fen, Pol­i­tik, Re­li­gion und Ge­mein­schaft, Ar­mut und Re­pres­sion bis hin zu Kriegserin­nerun­gen und Fukushi­ma.

Ku­ra­torin: Na­na Tazuke

#HIERUND­JET­ZT #da­fuerunddage­gen





Mar­cel Oden­bach
Wolf­gang-Hahn-Preis 2021

17.11.2021 – 20.2.2022

Mar­cel Oden­bach wird mit dem 27. Wolf­gang-Hahn-Preis der Ge­sellschaft für Mod­erne Kunst am Mu­se­um Lud­wig aus­gezeich­net. Für die Ju­ry, beste­hend aus Su­sanne Pf­ef­fer, Di­rek­torin des Mu­se­ums für Mod­erne Kunst in Frank­furt am Main, Yil­maz Dziewior, Di­rek­tor des Mu­se­um Lud­wig sowie den Vor­s­tands­mit­glied­ern der Ge­sellschaft für Mod­erne Kunst be­grün­dete Gastjurorin Su­sanne Pef­fer die Entschei­dung des Gre­mi­ums:

„Kon­struk­tio­nen von kul­tureller Iden­tität wie Gen­der sind in den Zeich­nun­gen, Col­la­gen, Videos und In­s­tal­la­tio­nen von Mar­cel Oden­bach seit Jahrzeh­n­ten dezi­diert The­ma. Nicht allein das Ei­gene, son­dern das An­dere ist stets der Aus­gangspunkt. Ex­per­i­men­tell in der Form sowie the­o­retisch fundiert, schafft Mar­cel Oden­bach Werke, die his­torische Verbin­dungs­linien zwischen Ko­lo­nial­is­mus und Glob­al­isierung wie auch die Ge­walt des Nor­ma­tiv­en und der Repräsen­ta­tion of­fen­le­gen und spür­bar machen.“

Das Prinzip des Col­lagierens zeigt sich in Oden­bachs Sch­nittvor­la­gen, die für die Samm­lung des Mu­se­ums er­wor­ben wer­den. Diese sind Bil­darchiv und zen­trale Ar­beits­grund­lage des Kün­stlers zu­gleich und nun er­st­mals in der Öf­fentlichkeit zu se­hen. Be­gon­nen im Jahr 1990 um­fassen sie über 100 Blät­ter, meist im DIN A3-For­mat. Die Fo­to­col­la­gen sind es­sen­tiell für den konzeptuellen An­satz Oden­bachs und eröff­nen den Be­such­er*in­nen des Mu­se­ums neue Ein­blicke in die Ar­beitsweise des diesjähri­gen Wolf­gang-Hahn-Preisträgers.

Mar­cel Oden­bach, *1953 in Köln, lebt und ar­beit­et in Köln, Ber­lin und Cape Coast, Gha­na. Oden­bachs jüng­ste in­sti­tu­tionelle Einze­lauss­tel­lung Mar­cel Oden­bach: Es bren­nt in der Kun­sthalle Nürn­berg läuft noch bis zum 10. Jan­uar 2021. Seine er­ste hatte der Kün­stler bere­its während seines Stu­di­ums 1978 bei der Stif­tung De Ap­pel in Am­s­ter­dam. Es fol­gten Einze­lauss­tel­lun­gen u.a. im Kun­st­mu­se­um Bonn (2013), Tel Aviv Mu­se­um of Art (2016) und der Kun­sthalle Wien (2017). Oden­bach war 1988 an der doc­u­men­ta 8 beteiligt, 2005 an der Shar­jah Bi­en­nale 7, 2012 an der Kochi-Muziris Bi­en­nale und 2018 an der Bu­san Bi­en­nale. Seit 2010 lehrt Oden­bach Film und Video an der Kun­s­takademie Düs­sel­dorf.

#wolf­gang­hah­n­preis #M­Lx­O­den­bach