Pro­gramm 2023

Diese Son­der­auss­tel­lun­gen präsen­tieren wir Ih­nen im Jahr 2023.

Ausstel­lung

Ur­su­la – Das bin ich. Na und?

18. März – 23. Juli 2023

Ur­su­la (Schultze-Bluhm), ge­boren 1921 in Mit­ten­walde und ver­s­tor­ben 1999 in Köln, zählt zu den be­deu­ten­den deutschen Kün­st­lerin­nen der zweit­en Hälfte des 20. Jahrhun­derts. Mit der Auss­tel­lung Ur­su­la – Das bin Ich. Na und? wid­met das Mu­se­um Lud­wig nach über 30 Jahren die er­ste um­fassende Mu­se­um­sauss­tel­lung und er­möglicht damit eine Neu­be­trach­tung ihr­er Ar­beit. Ur­su­las Leben und Werk bi­etet eine al­ter­na­tive Erzäh­lung kün­st­lerisch­er Un­ab­hängigkeit. Die Th­ese, dass Sur­re­al­is­mus kein Stil sei, son­dern eine Geis­te­shal­tung, zeigt sich an­schaulich in ihren Ar­beit­en. In ih­nen un­ter­gräbt sie die Re­al­ität und fin­d­et das Un­heim­liche im Alltäglichen. Sie fordert Au­toritäten der Ge­sellschaft und Kunst her­aus, in­dem sie neue Wel­ten ersin­nt, in de­nen alte Hi­erarchien über Bord ge­wor­fen wer­den und neue Leben­sweisen vorstell­bar sind.

Ku­ra­tor: Stephan Died­erich

Ausstel­lung

HI­ER UND JET­ZT im Mu­se­um Lud­wig. Ukrainische Mod­erne & Darya Koltso­va

3. Ju­ni – 24. Septem­ber 2023

Die Auss­tel­lungs­rei­he HI­ER UND JET­ZT im Mu­se­um Lud­wig hin­ter­fragt die Kon­ven­tio­nen der Mu­se­um­sar­beit aus heutiger Sicht. Aktuell verän­dert der rus­sische Krieg auf die Ukraine den Blick auf den Be­griff der „Rus­sischen Avant­garde“. Viele Kün­stler*in­nen, die eben­so in der Samm­lung des Mu­se­ums vertreten sind, wur­den bis­lang dies­er Be­we­gung zu­ge­ord­net. Die Auss­tel­lung Ukrainische Mod­erne ver­sam­melt rund 70 Gemälde und Pa­pierar­beit­en. Be­son­dere Be­deu­tung haben die vielen Lei­h­gaben, die aus dem De­pot des Na­tio­nal­mu­se­ums der Ukraine in Kyiv kom­men. Bilder aus pri­vat­en Samm­lun­gen und aus der ei­ge­nen Samm­lung des Lud­wig run­den die Auss­tel­lung ab. Diese neue kun­sthis­torische Per­spek­tive wird er­weit­ert durch ei­nen aktuellen Bei­trag der zeit­genös­sischen Kün­st­lerin Darya Kolt­so­va. Sie präsen­tiert Ar­beit­en, die sich mit dem kul­turellen Erbe an­gesichts des Krieges beschäfti­gen.

Die Auss­tel­lung Ukrainische Mod­erne ist eine Zusam­me­nar­beit mit dem Na­tio­nal­mu­se­um in Kyiv, dem Museo Thyssen-Bornemisza in Ma­drid und dem Ku­ra­tor Kon­s­tantin Akin­sha.

Ku­ra­tor*in­nen: Kon­s­tantin Akin­sha, Yuliia Ber­di­yaro­va, Ri­ta Ker­st­ing

Bild/Ge­gen­bild: VA­LIE EX­PORT, San­ja Iveković, Tar­rah Kra­j­nak, Ana Mendi­e­ta, Car­rie Mae Weems

22. April – 27. Au­gust 2023
Präsen­ta­tion im Fo­to­raum

Die Fo­to­präsen­ta­tion Bild/Ge­gen­bild ge­ht von Tar­rah Kra­j­naks 18teiliger Fo­tor­ei­he aus und kom­biniert sie mit Ar­beit­en von VA­LIE EX­PORT, San­ja Iveković, Ana Men­di­e­ta und Car­rie Mae Weems. Allen aus­gewähl­ten Werken, die über ei­nen Zei­traum von fün­fzig Jahren zwischen den 1970er und 2020er Jahren ent­s­tan­den sind, ist ge­mein­sam, dass der ei­gene Kör­p­er per­for­ma­tiv und fo­to­gra­fisch in das Werk einge­bracht wird. Mit dem Kör­p­er als Me­di­um un­ter­suchen die Kün­st­lerin­nen die ge­sellschaft­shis­torisch jew­eils be­son­deren Macht­for­ma­tio­nen und machen sie sicht­bar.

Ku­ra­torin: Bar­bara En­gel­bach

Ausstel­lung

Fü­sun Onur. Ret­ro­spek­tive

16. Septem­ber 2023 – 28. Jan­uar 2024

Fü­sun Onur, 1937 in Is­tan­bul ge­boren, ist eine der be­deu­tend­sten Kün­stler*in­nen der Türkei. Sie hat ein beein­druck­en­des und viel­seitiges Werk geschaf­fen, das sich den üblichen Kat­e­gorisierun­gen entzie­ht. In frühen Jahren machte sie mit ihren präzisen Erkun­dun­gen von Fläche und Raum sowie deren sou­verän­er Um­set­zung in Skulp­turen auf sich aufmerk­sam. Diese for­male An­näherung war aber nur eine von vielen Herange­hen­sweisen. Seit An­fang der 70er Jahre kom­biniert sie sie mit All­t­ag­sob­jek­ten und sinn­lichen Ma­te­rialien in großen In­s­tal­la­tio­nen: frag­ile Ob­jekte und Rau­min­sze­nierun­gen, ge­baut aus Glasscheiben, Holzteilen, Klei­dungsstück­en, Wollfä­den, Stühlen, Kis­ten, Bällen. Ein nar­ra­tiv­er Im­puls kommt hinzu, der ihrem Werk bis heute eine po­etische Tiefe ver­lei­ht. Die Ak­tu­al­ität ihr­er Ar­beit­en liegt in den vielfälti­gen Ver­fahren, mit de­nen sie ihre kün­st­lerischen Frages­tel­lun­gen ver­fol­gt und zu im­mer neuen Lö­sun­gen fin­d­et.

Die Is­tan­buler Kun­stin­sti­tu­tion Arter ist in­ter­na­tio­naler Ko­op­er­a­tions­part­n­er.

Ku­ra­torin: Bar­bara En­gel­bach (Mu­se­um Lud­wig, Köln), Ko-Ku­ra­tor: Emre Baykal (Arter, Is­tan­bul)

Walde Huth. Ma­te­rial und Mode

23. Septem­ber 2023 – 28. Jan­uar 2024
Präsen­ta­tion im Fo­to­raum

Das Mu­se­um Lud­wig er­hielt 2017 ei­nen Be­s­tand von über 250 Werken der Fo­to­grafin Walde Huth (1923–2011) zum Geschenk. Bekan­nt wurde sie vor allem für ihre Mod­eauf­nah­men der 1950er Haute Cou­ture in Paris und Flo­renz. Wer­beauf­nah­men für ei­nen Samt- oder Strumpfher­steller, auch für Mö­bel ergänzten ihr Port­fo­lio. Zur Farb­fo­to­gra­fie griff sie dabei an­fangs sel­ten, und das, ob­wohl sie durch ihre Tätigkeit in der En­twick­lungs­abteilung für Farb­fo­to­gra­fie der Ag­fa in Wolfen 1943 bis 1945 früh mit den tech­nischen Möglichkeit­en ver­traut ge­wor­den war. Wenn sie es aber tat, zele­bri­erte sie die Farbe regel­recht. Wer die charak­ter­s­tarke Köl­nerin ge­gen Ende ihres Lebens noch be­suchen durfte, berichtet oft von dem Chaos, das in ihr­er Woh­nung herrschte. Auch ihre Bilder waren Teil des Chaos. In einem In­ter­view äußerte Walde Huth ein­mal: "Ich liebe halt eher Im­pro­visiertes und nicht so Per­fektes, Ster­iles. So glatte Ga­le­rien, wo die Fo­to­gra­fien so ge­hängt wer­den, das mag ich gar nicht. So kann ein Bild nicht wirken." Diese Präsen­ta­tion will eine be­hut­same An­näherung an Walde Huth aus dem Be­s­tand der Neuer­wer­bun­gen sein.

Ku­ra­torin: Miri­am Szwast

Pi­cas­so Suite 156

28. Ok­to­ber 2023 – 4. Fe­bruar 2024
Samm­lungspräsen­ta­tion

Zehn Wochen vor Pab­lo Pi­cas­sos Tod, im Jan­uar 1973, zeigt Louise Leiris in ihr­er Paris­er Ga­lerie ei­nen Zyk­lus von Gra­fiken, der sein let­ztes Ver­mächt­nis sein wird: 155 Radierun­gen aus den Jahren 1968 bis 1972. Nach dem Druck von drei Probe­druck­en ging eine kleinere Druck­platte (Nr. 7) ver­loren und war da­her nie Teil der von der Ga­lerie veröf­fentlicht­en Edi­tion. Nach dies­er Pre­miere wur­den diese let­zten gra­fischen Blät­ter des Kün­stlers nur noch wenige Male in vollem Um­fang präsen­tiert. Heute gilt die so­ge­nan­nte Suite 156 als beispiel­haft für das späte gra­fische Werk Pi­cas­sos und befin­d­et sich in der Samm­lung des Mu­se­um Lud­wig.

Un­ter dem Ti­tel The Pi­cas­so 1973–2023 Cele­bra­tion neh­men rund 40 Auss­tel­lun­gen in Eu­ro­pa und den USA den Jahres­tag zum An­lass, sein Werk dem heu­ti­gen Pub­likum näher zu brin­gen. Das Mu­se­um Lud­wig un­ter­stützt die­s­es monu­men­tale Pro­jekt als Lei­hge­ber und mit ein­er ei­ge­nen Präsen­ta­tion: Im Pi­cas­so-Jahr 2023, trifft die Suite 156, 50 Jahre nach ihr­er Vol­len­dung, auf eine neue Gen­er­a­tion von Rezipi­ent*in­nen. Eine Gen­er­a­tion, die sich im­mer noch oder wied­er mit ähn­lichen Frages­tel­lun­gen in Bezug auf den Kör­p­er und seine ge­sellschaftliche Be­trach­tung kon­fron­tiert sie­ht. Im Sinne der „Pi­cas­so Cele­bra­tion“ wird die Suite 156 in ei­nen kul­turhis­torischen Kon­text ge­set­zt und poin­tiert durch zei­this­torische Belege ergänzt

Ku­ra­torin: Eboa Iton­do

1000 … miles to the edge – Schenkung Kasper König

11. Novem­ber 2023 – 11. Fe­bruar 2024
Neu in der Samm­lung

Auss­tel­lungs­mach­er, Mit­be­grün­der der Skulp­tur Pro­jekte Mün­ster, Ku­ra­tor der Großauss­tel­lun­gen West­kunst und von hi­er aus sowie der Man­i­fes­ta in St. Peters­burg: Kasper König prägte den Kun­st­diskurs der let­zten fünf Jahrzeh­nte mit wie kaum ein an­der­er. Zwölf Jahre lang (2000–2012) war Kasper König Di­rek­tor des Mu­se­um Lud­wig. Für ihn ist ein Mu­se­um ein öf­fentlich­er Ort: „Er ge­hört allen und keinem“ war sein poin­tiert­er Kom­men­tar zu die­sem The­ma. Nun schenkt König dem Haus eine Werkauswahl aus sein­er pri­vat­en Samm­lung, die in einem Raum in­n­er­halb der per­ma­nen­ten Samm­lung des Mu­se­um präsen­tiert wird. Dabei hat er sich selbst nie als klas­sisch­er Samm­ler ver­s­tan­den. Spon­tankäufe, Sou­venirs, Jahres­gaben und Geschenke sind über Jahrzeh­nte zu ein­er sehr per­sön­lichen Kollek­tion gewach­sen.

Ku­ra­tor: Stephan Died­erich

Wolf­gang-Hahn-Preis 2023. Fran­cis Alÿs

Preisver­lei­hung und Eröff­nung: 14. Novem­ber 2023, 18:30 Uhr
Neu in der Samm­lung

Fran­cis Alÿs er­hält den 29. Wolf­gang-Hahn-Preis der Ge­sellschaft für Mod­erne Kunst am Mu­se­um Lud­wig. Der 1959 in An­tw­er­pen ge­borene, heute in Mexiko-Stadt lebende Kün­stler, aus­ge­bildete Ar­chitekt und Ur­ban­ist ar­beit­ete dort seit 1986 für lokale NGOs und ist seit 1990 im Bereich der bil­den­den Kunst tätig.

Sein vielfältiges Werk um­fasst Malerei, Zeich­nung, In­s­tal­la­tion, Video, Fo­to­gra­fie und Ak­tio­nen und wurde in zahl­reichen Auss­tel­lun­gen in­ter­na­tio­n­al gezeigt, u.a. im Bel­gischen Pav­il­lon auf der 59. Bi­en­nale von Venedig (2022) und auf der DOC­U­MEN­TA (13) in Kas­sel/Kab­ul (2013). Fran­cis Alÿs’ einzi­gartige kün­st­lerische Po­si­tion zeigt sich insbe­son­dere in der Art und Weise, wie er unsere Ge­sellschaft beobachtet. Mit ein­fach­sten kün­st­lerischen Gesten erzählt er lakonisch von kom­plex­en sozialen Leben­swirk­lichkeit­en, macht Wider­sprüche poli­tisch­er und kul­tureller Regime eben­so er­fahr­bar wie die Wider­sprüche sein­er ei­ge­nen äs­thetischen Pro­duk­tio­nen. Seine In­ter­ven­tio­nen in reale Si­t­u­a­tio­nen, bei de­nen er auch sel­ber als Ak­teur auftritt, ver­weisen sub­til auf The­matiken wie Mi­gra­tion, Grenzzie­hun­gen und die Fol­gen der Glob­al­isierung. Dass seine Werke oft die Form von In­sze­nierun­gen der Ab­sur­dität des All­t­ags an­neh­men, macht ihre Rezep­tion zu einem un­ter­halt­sa­men in­tellektuellen Vergnü­gen.

Ku­ra­tor: Yil­maz Dziewior