Pro­gramm 2021

Diese Son­der­auss­tel­lun­gen präsen­tieren wir Ih­nen im Jahr 2021:

Au­gust & Marta
Wie Au­gust San­der die Ma­lerin Mar­ta Hege­mann (und ihr Kin­derz­im­mer!) fo­to­gra­fierte
Eine Präsen­ta­tion für Kin­der

12.3 - 4.7.2021
Präsen­ta­tion im Fo­to­raum

Wie stolz und wild sie auf dem Fo­to von Au­gust San­der aussie­ht, die Ma­lerin Mar­ta Hege­mann, die ei­gentlich mal Lehrerin war. Bluse und Hals­kette schei­nen ir­gend­wie ver­rutscht und ins Gesicht hat sie sich außer­dem aller­lei Zeichen ge­malt. Als Mar­ta Hege­mann drei Jahre später zwei Wandgemälde für ein Kin­derz­im­mer ent­warf, war es wied­er Au­gust San­der, der die Ar­beit daran und das Ergeb­nis mit der Kam­era fes­thielt.

Zu se­hen waren die Gemälde 1929 in der Auss­tel­lung Raum und Wand­bild im Köl­nischen Kun­stverein. Lei­der gel­ten sie sei­ther als ver­s­chollen. Dank der Auf­nah­men von San­der wis­sen wir aber wie sie aus­sa­hen - zu­min­d­est in Sch­warzweiß - und kön­nen ver­suchen, das Kin­derz­im­mer nachzustellen. In dies­er für Kin­der konzipierten Präsen­ta­tion näh­ern wir uns durch Fo­to­gra­fien ein­er unange­passten Frau, die auch für die Klei­nen malte.

Ku­ra­torin: Miri­am Szwast

#au­gus­tund­mar­ta

Be­tye Saar
Wolf­gang-Hahn-Preis 2020

Preisver­lei­hung und Eröff­nung: Di­en­s­tag, 24.3.2021, 18:30 Uhr
Präsen­ta­tion: 25.3. - 27.6.2021

Auf­grund der Coro­na-Pan­demie wer­den Preisver­lei­hung und Präsen­ta­tion von Be­tye Saar in das Früh­jahr 2021 ver­s­choben. Am 24. März 2021 wird die amerikanische Kün­st­lerin mit dem 26. Wolf­gang-Hahn-Preis der Ge­sellschaft für Mod­erne Kunst am Mu­se­um Lud­wig aus­gezeich­net.

Es ist mehr als an der Zeit, die 1926 in Los An­ge­les ge­borene, in Deutsch­land bish­er wenig bekan­nte Kün­st­lerin zu wür­di­gen, entschied die Ju­ry beste­hend aus Chris­tophe Ch­er­ix, Robert Leh­man Foun­da­tion Che­fku­ra­tor für Zeich­nung und Gra­fik am Mu­se­um of Mod­ern Art (Mo­MA) in New York, Yil­maz Dziewior, Di­rek­tor des Mu­se­um Lud­wig sowie den Vor­s­tands­mit­glied­ern des Fördervereins. Be­tye Saar schafft seit über 50 Jahren As­sem­bla­gen aus den ver­schie­den­sten ge­fun­de­nen Ob­jek­ten, die sie mit Zeich­nung, Druck­en, Malerei oder Fo­to­gra­fie kom­biniert.

Die Ge­sellschaft für Mod­erne Kunst am Mu­se­um Lud­wig hat die As­sem­blage The Di­vine Face für die Samm­lung des Mu­se­um Lud­wig angekauft. Die­s­es wird ge­mein­sam mit ei­ni­gen Pa­pierar­beit­en der Kün­st­lerin vom 25. März bis 27. Ju­ni 2021 in der Samm­lung des Mu­se­ums präsen­tiert.

Gastjuror Chris­tophe Ch­er­ix über Be­tye Saar: „In der US-amerikanischen Kunst nimmt Be­tye Saars Werk eine Sch­lüs­sel­po­si­tion ein. Ihre As­sem­bla­gen aus den 1960ern und frühen 1970ern verknüpfen Fra­gen von Eth­nie, Pol­i­tik und über­natür­lichen Glaubenssys­te­men mit ihr­er per­sön­lichen Geschichte. Saar, die in ein­er von Rassen­tren­nung geprägten Ge­sellschaft aufwuchs, hat über all die Jahre an ihrem Glauben fest­ge­hal­ten, dass Kunst unsere fin­ster­sten Mo­mente und tief­sten Äng­ste über­win­den kann. Heute schöpft eine neue Gen­er­a­tion von Kün­stler*in­nen aus ihrem über­wälti­gen­den Werk und macht deut­lich, wie Saar den Lauf der US- amerikanischen Kunst verän­dert hat. Mit dem Wolf­gang-Hahn-Preis 2020 wer­den Saars außeror­dentliche Leis­tun­gen und ihr Ein­fluss gewürdigt. Zu­gleich wird die Notwendigkeit an­erkan­nt, dass die Geschichtsschrei­bung der Kunst der let­zten Jahrzeh­nte über­dacht wer­den muss.“

#wolf­gang­hah­n­preis #M­Lx­Be­tye­Saar

Ausstel­lung

Vor Ort – Fo­to­geschicht­en zur Mi­gra­tion

27.3 - 11.7.2021

Fo­to­gra­fien von Köln und weit­eren Städten im Rhein­land aus der Zeit zwischen 1955 und 1989 machen den steti­gen Wan­del sicht­bar, den die Re­gion durch ihre Be­woh­n­er*in­nen er­fahren hat.

Die kaum bekan­n­ten vielfälti­gen Geschicht­en von Ar­beits­mi­grant*in­nen ste­hen im Mit­telpunkt dies­er Auss­tel­lung. Als Zeitzeug*in­nen geben sie in In­ter­views Auskunft, die zusam­men mit ihren pri­vat­en Fo­to­gra­fien gezeigt wer­den. Was erzählen ihre per­sön­lichen Auf­nah­men über die Stadt und darüber, wie sie durch ihre Ein­wan­derung belebt wurde? Wie wer­den Straßen, Häus­er, Geschäfte, Res­tau­rants oder Parks zu Träger*in­nen von Erin­nerung, zum Teil der Stadt­geschichte? Und was bil­den im Ver­gleich dazu die Stadt­fo­to­gra­fien von Chargesheimer, Heinz Held, Can­di­da Höfer und Ul­rich Till­mann ab, die sich in der Samm­lung des Mu­se­um Lud­wig befin­d­en? Jen­seits der flüchti­gen Er­fahrun­gen von Mi­gra­tion im ur­ba­nen Leben hal­ten die Fo­to­geschicht­en die Erin­nerung an die vielfälti­gen Möglichkeit­en, sich in ein­er neuen Stadt zu verorten, lebendig.

Das Auss­tel­lungspro­jekt ist eine Ko­op­er­a­tion mit DO­MiD – Doku­men­ta­tion­szen­trum und Mu­se­um über die Mi­gra­tion in Deutsch­land e. V. Ku­ra­torische Be­r­a­tung durch Manuel Go­gos und Au­ro­ra Ro­donò.

Ku­ra­torin­nen: Ela Kaçel (Ar­chitek­turhis­torik­erin und Gastku­ra­torin) und Bar­bara En­gel­bach (Ku­ra­torin)

#VorOrt

Ausstel­lung

Grüne Mod­erne
Die neue Sicht auf Pflanzen

12.6. - 8.8.2021

„Ob wir das Wach­sen ein­er Pflanze mit dem Zei­traf­fer besch­le­u­ni­gen oder ihre Ges­talt in vierzig­fach­er Ver­größerung zei­gen – in bei­den Fällen zischt an Stellen des Da­seins, von de­nen wir es am wenig­sten dacht­en, ein Geysir neuer Bilder­wel­ten auf“.

Diese Beobach­tung notierte Wal­ter Ben­jamin 1928 an­gesichts neuester fo­to­gra­fisch­er und filmisch­er Auf­nah­men von Pflanzen. Nicht nur ihn soll­ten sie faszinieren. Die Ki­nos waren voll, als im Film Das Blu­men­wun­der Zei­traf­fer­auf­nah­men von Pflanzen ihr Lebendig­sein ganz neu vor Au­gen führten. Fo­to­gra­fische Ver­größerun­gen von Blät­tern, Knospen oder Stielen macht­en eine tech­nisch-ab­s­trahierte Äs­thetik sicht­bar und wur­den in Buch­form pop­ulär.

Auch in Malerei, Gra­fik und Skulp­tur der Wei­mar­er Re­pub­lik grünte es, sch­ließlich eröffnete die neue Ar­chitek­tur mit ihren größeren Fen­stern ganz neue Möglichkeit­en für so ge­nan­nte „Zim­mergärten“. Und so un­schuldig eine Topfpflanze im Bild auf den er­sten Blick vielleicht ausse­hen mag – sie ist Teil eines Diskurs­es, der mit­ten hinein stößt in die großen The­men der Mod­erne: Ex­o­tis­men und Emanzi­pa­tion, Bevölkerungswach­s­tum und Ur­ban­isierung, Tem­po und Entsch­le­u­ni­gung.

Das „Pflanzen­da­sein“ beschäftigte und beschäftigt von je­her nicht nur Bo­tanik­er*in­nen. So schält diese Auss­tel­lung As­pekte der grü­nen Mod­erne her­aus, die auch in unseren pflanze­naf­fi­nen Zeit­en heute wied­er an­k­lin­gen. War nicht der Kak­tus die Mon­stera De­li­ciosa der 1920er Jahre?

Ku­ra­torin: Miri­am Szwast

#gru­en­e­mod­erne


Voiceover
Fe­lice Bea­to in Ja­pan

31.7. - 21.11.2021
Präsen­ta­tion im Fo­to­raum

1863 kam der italienisch-bri­tische Fo­to­graf Fe­lice Bea­to (1832–1909) nach Ja­pan und grün­dete in Yoko­ha­ma ein Fo­toate­li­er. Seine teils stark in­sze­nierten Per­so­n­en-, aber auch Land­schaft­sauf­nah­men, er­schie­nen in ho­hen Au­fla­gen und waren vor allem bei Ja­pan-Reisen­den be­liebt. Hand­ko­lo­ri­ert und zu Al­ben ge­bun­den fin­d­en sich seine Bilder heute über den Globus ver­streut, so auch im Mu­se­um Lud­wig.

Da sie ei­nen west­lichen Blick auf das alte Ja­pan tran­s­portieren, sollen in der Präsen­ta­tion ge­sproch­ene Kom­mentare von Ja­pan­er*in­nen die Werke dekon­struieren. So ent­ste­ht eine Über­lagerung ähn­lich der­jeni­gen auf den Fo­to­gra­fien: ein west­lich­er Fo­to­graf pro­duzierte Sch­warzweißauf­nah­men, die von ja­panischen Holzsch­nitt­malern ko­lo­ri­ert wur­den.

Ku­ra­torin­nen: Miri­am Szwast mit Meike Deil­mann

#M­LxBea­to




Ausstel­lung

HI­ER UND JET­ZT im Mu­se­um Lud­wig
zusam­men dafür und dage­gen

21.8.2021 - 23.1.2022

Die siebte Aus­gabe der Auss­tel­lungs­rei­he HI­ER UND JET­ZT im Mu­se­um Lud­wig beschäftigt sich mit der Ja­panischen Avant­gard­ed­er 1960er Jahre aus ein­er heu­ti­gen Per­spek­tive. Auf welche En­twick­lun­gen der Nachkriegszeit reagierten Kün­stler*in­nen da­mals? Was mo­tivierte ihre auf­se­hen­er­re­gen­den öf­fentlichen Ak­tio­nen? Und wie bezie­hen sich heute zeit­genös­sische Kün­stler*in­nen auf diese his­torische Strö­mung? Ar­mut und Re­pres­sion bis hin zu Kriegserin­nerun­gen und Fukushi­ma.

Die Ja­panische Avant­garde der Nachkriegszeit ent­s­tand im An­sch­luss an die Be­satzung des Lan­des durch die US-amerikanische Armee (1945 bis 1952). Sie ist eng verknüpft mit der ge­sellschaftlichen Umori­en­tierung in dies­er Zeit: Die Demokratisierung Ja­pans un­ter dem fi­nanziellen und poli­tischen Ein­fluss der USA ging ein­her mit einem ökonomischen Wach­s­tumsschub, sozialen Umwälzun­gen und ein­er kul­turellen Neu­veror­tung.

Auf den Wider­s­tand und De­mon­s­tra­tio­nen von Studieren­den und Gew­erkschaften ant­wortete die Pol­izei mit Ge­walt. Par­al­lel lie­fen auf of­fizieller Ebene die Vor­bere­i­tun­gen für die Olympischen Spiele in Tokio 1964 und die Ex­po in Os­a­ka 1970, die das Land in­no­va­tiv und at­trak­tiv darstellen soll­ten.

Die Auss­tel­lung präsen­tiert Fo­to­gra­fien von Ak­tio­nen und Per­for­mances ver­schie­den­er Kün­stler*in­nen-Kollek­tive der 1960er Jahre aus der Samm­lung des Mu­se­ums M+ in Hong Kong. Gleichzeitig ent­ste­ht durch die spon­ta­nen, hu­mor­vollen und teil­weise radikalen In­ter­ven­tio­nen des Kollek­tivs Chim↑Pom (ge­grün­det 2005 in Tokio) und aktuelle Ar­beit­en von Ko­ki Ta­na­ka (*1975) ein gen­er­a­tion­süber­greifen­d­er Dia­log. Grup­pen wie Neo Da­da, Hi Red Cen­ter und Ze­ro Di­men­sion protestierten da­mals ge­gen die Sta­tionierung der US-Armee in Ja­pan, die Be­nachteili­gung von Mi­grant*in­nen. Heute erkun­den Chim↑Pom und Ko­ki Ta­na­ka Potenziale des Wider­s­tands auf ihre Weise: Ihre Ar­beit­en be­fassen sich mit per­sön­lichen Lebensen­twür­fen, Pol­i­tik, Re­li­gion und Ge­mein­schaft, Ar­mut und Re­pres­sion bis hin zu Kriegserin­nerun­gen und Fukushi­ma.

Ku­ra­torin: Na­na Tazuke

#HIERUND­JET­ZT #da­fuerunddage­gen





Ausstel­lung

Boaz Kaiz­man

3.9.2021 - 9.1.2022

An­läss­lich des Fes­t­jahres „1700 Jahre jüdisch­es Leben in Deutsch­land“ wird das Mu­se­um Lud­wig den Kün­stler Boaz Kaiz­man beauf­tra­gen, eine große neue Ar­beit zu en­twick­eln.

Kaiz­man, ge­boren 1962 in Tel Aviv, lebt und ar­beit­et seit 1993 in Köln. Er hat ein me­dial vielfältiges und kün­st­lerisch dicht­es Werk geschaf­fen, dem das Mu­se­um Lud­wig bere­its seit Län­gerem ver­bun­den ist. In der Samm­lung befin­d­et sich beispiel­weise die Ar­beit Han­nah Arendt – die Reise nach Jerusalem aus dem Jahr 2018, ein an­i­miertes Video, das per­sön­liche Erin­nerun­gen und doku­men­tarisch­es Ma­te­rial zu drei zen­tralen Pro­ta­g­on­ist*in­nen des jüdisch-deutschen Diskurs­es (Han­nah Arendt, Ger­shom Sc­holem, Ben­jamin Murmel­stein) zusam­men­führt. Für seine Auss­tel­lung im Mu­se­um Lud­wig wird Boaz Kaiz­man eine große Me­di­enin­s­tal­la­tion mit mehr als zwanzig un­ter­schiedlichen Videos erar­beit­en, die auf ein­er Fläche von rund zwei­hun­dert Qua­drat­me­tern gezeigt wird. Sie lädt die Be­such­er*in­nen ein, sich in­di­vi­du­ell durch diese raum­greifende In­sze­nierung zu be­we­gen und dabei un­ter­schiedliche Facet­ten die­s­es Werkes zu ent­deck­en. Sie alle erzählen davon, was jüdisch­es Leben ge­gen­wärtig und in der Ver­gan­gen­heit sein kann, in Köln und Tel Aviv.

Ku­ra­torin: Bar­bara En­gel­bach

#M­LxBoazKaiz­man #2021JLID



Ausstel­lung

Der geteilte Pi­cas­so
Der Kün­stler und sein Bild in der BRD und der DDR

25.9.2021 – 30.1.2022

Was verbin­den wir mit Pab­lo Pi­cas­so, dem berühmtesten Kün­stler des 20. Jahrhun­derts? Und was haben unsere El­tern und Großel­tern mit ihm ver­bun­den, in der Nachkriegszeit, als sein Ruhm auf dem Höhep­un­kt war? Pi­cas­so schien da­mals zwei Per­sön­lichkeit­en zu haben, die ei­nan­der völ­lig wider­sprachen. Für die ei­nen war er ein ein­sames Ge­nie, ein Ma­cho und Mythologe. Für die an­deren ein Paz­i­fist, Kom­mu­nist und Men­schen­fre­und.

Die Welt war in zwei Lager geteilt, und Pi­cas­so eignete sich als Galions- und Pro­jek­tions­fig­ur für beide Sys­teme und in bei­den deutschen Staat­en. Der Kom­mu­nis­tischen Partei Frankreichs, in die er 1944 einge­treten war, hielt er zeit seines Lebens die Treue. Er un­ter­stützte Frie­den­skon­gresse und soziale Be­we­gun­gen auf der ganzen Welt. Aber er lebte im West­en und ließ es zu, dass die bürg­er­liche Kri­tik ihn zum un­poli­tischen Ge­nie, zum „Ge­heim­nis Pi­cas­so“ stil­isierte. Pi­cas­so war auf bei­den Seit­en der Mauer der Größte. Derselbe war er hi­er und dort nicht.

Welche Werke wur­den im Sozial­is­mus, welche im Kap­i­tal­is­mus gezeigt? Wie wurde Pi­cas­so ver­mit­telt? Sah der West­en die Kunst, der Os­ten die Pol­i­tik? Was sah der Kün­stler selbst? Die Auss­tel­lung un­ter­sucht das Bild, das sich hüben und drüben aus Pi­cas­sos Bildern machen ließ. Sie rekon­struiert die Auss­tel­lun­gen der Nachkriegszeit und dekon­struiert die Mythen. Ei­nen Sch­w­er­punkt bildet die Pi­cas­so-Samm­lung von Peter und Irene Lud­wig, noch heute eine der um­fan­greich­sten. Teile davon wur­den mehr­fach in der DDR aus­gestellt. Die Auss­tel­lung ist nicht bloß his­torisch. Sie möchte ei­nen Pi­cas­so zei­gen, der in uns­er­er Zeit des globalen Um­bruchs, uns­er­er noch im­mer geteil­ten Welt et­was zu sa­gen hat. Die poli­tische Di­men­sion der Werke und die Frage nach der sozialen Rolle von Kunst wer­den bre­it­en Raum ein­neh­men. Zu­dem wur­den zwei Werke in Auf­trag gegeben: ein Film von Peter Nestler, der Pi­cas­sos Wirken in Süd­frankreich nach dem Zweit­en Weltkrieg in die post­mi­gran­tische Ge­gen­wart der Ge­meinde Val­lau­ris ein­bet­tet. Und eine Ar­chitek­tur von Er­an Schaerf, die die Kom­plex­ität der Bezüge auf­greift. So wie Pi­cas­so Ge­gen­stände mul­ti­per­spek­tivisch ge­fasst hat, soll die Auss­tel­lung er­lauben, sein Werk und seine Wirkung von mehr­eren Seit­en zu­gleich zu be­tracht­en.

Ku­ra­torin: Ju­lia Frie­drich

#M­Lx­Pi­cas­so



Schultze Pro­ject­s#3
Min­er­va Cue­vas

6.11.2021 - Novem­ber 2023

Für die dritte Aus­gabe der Rei­he Schultze Pro­jects wird Min­er­va Cue­vas (*1975 in Mex­i­co Ci­ty) eine neue, ortsspez­i­fische Ar­beit für das Trep­pen­haus des Mu­se­um Lud­wig en­twick­eln. Der Name der Rei­he bezie­ht sich auf Ber­nard Schultze und seine Ehe­frau Ur­su­la (Schultze-Bluhm), deren Nach­lass das Mu­se­um Lud­wig ver­wal­tet und zu deren Ge­denken seit 2017 alle zwei Jahre eine kün­st­lerische Po­si­tion ein­ge­la­den wird, ein groß­for­matiges Werk für die pro­mi­nente Stirn­wand im Auf­gang zur Samm­lung anzufer­ti­gen.

Min­er­va Cue­vas ist bekan­nt für ihre recherche­basierten Pro­jekte, die sie in Form von In­s­tal­la­tion, Per­for­mance, Video und Malerei ausstellt. Ihr In­teresse gilt wirtschaftlichen und ökol­o­gischen Frages­tel­lun­gen und deren soziopoli­tischen Ver­flech­tun­gen. Dabei nimmt sie häu­fig Bezug auf den konkreten Zusam­men­hang, in dem ihre Ar­beit ent­ste­ht. So en­twick­elte sie et­wa für die Ju­biläum­sauss­tel­lung zum 40-jähri­gen Beste­hen des Mu­se­um Lud­wig eine Ar­beit in Ref­erenz auf die Peter und Irene Lud­wig Stif­tung, die 1982 als Lud­wig Stif­tung für Kunst und in­ter­na­tio­nale Ver­stän­di­gung GmbH ge­grün­det wurde. Hi­er­für ent­warf sie eine In­s­tal­la­tion aus einem sch­warzen rechtec­ki­gen Holzgerüst mit roten, gel­ben und blauen Far­bakzen­ten, die in ihr­er Kom­po­si­tion an das ab­s­trakte Gemälde von Pi­et Mon­drian Tableau I erin­n­erte. Dessen Ankauf war sein­er Zeit sehr um­strit­ten, und heute zählt es zu den High­lights der Samm­lung des Mu­se­um Lud­wig. In dies­er In­s­tal­la­tion, ähn­lich wie in ei­ni­gen ihr­er an­deren Ar­beit­en, beschäftigt sich die Kün­st­lerin mit dem ge­sellschaftlichen Po­ten­tial und den Auswirkun­gen kün­st­lerisch­er Praxis. In die­sem Sinne be­greift Min­er­va Cue­vas Kunst als ak­tiv­en Bei­trag zu sozialen Verän­derun­gen. Malerei be­nutzt sie dabei eher als Mit­tel zum Zweck und weniger als Au­sei­nan­derset­zung mit den Vo­raus­set­zun­gen und Regeln dersel­ben. Für ihre groß­for­mati­gen Wand­bilder be­di­ent sie sich mi­tun­ter der Sprache der Wer­bung, das heißt konkreten Marken­l­o­gos, die sie je­doch sig­ni­fikant verän­dert. Ihr­er kri­tischen Vorge­hen­sweise fol­gend verdeut­licht Min­er­va Cue­vas mit ihr­er Malerei die neg­a­tiv­en Auswirkun­gen der Kon­sumwelt und der wirtschaftlichen Aus­rich­tung men­sch­lichen Han­delns auf Ge­sellschaft und Umwelt.

Zu Einze­lauss­tel­lun­gen von Min­er­va Cue­vas ge­hören un­ter an­derem: Disi­den­cia, Mishkin Gallery, New York, USA (2019); No Room To Play, daad­ga­lerie, Ber­lin (2019); Dis­sidên­cia, Galpão VB – As­so­ci­ação Cul­tu­r­al Video­brasil, São Pau­lo (2018); Fine Lands, Dal­las Mu­se­um of Art, (2018); Min­er­va Cue­vas, Museo de la Ci­u­dad de Méx­i­co, (2012); Land­in­gs, Corn­er­house, Manch­es­ter, (2012); S·­COOP, Whitechapel Art Gallery, Lon­don (2010); Min­er­va Cue­vas, Van Abbe­mu­se­um, Eind­hoven, (2008); Pheno­m­e­na, Kun­sthalle Basel, (2007); Das Ex­per­i­ment 6: MVC Biotech­no­lo­gies – Für ein natür­lich­es In­ter­face, Se­ces­sion, Wien (2001); On So­ci­e­ty, MC Kunst, Los An­ge­les (2007); Egal­ité, Le Grand Café–Cen­tre d’art con­tem­po­rain, Saint Nazaire (2007); Sch­warz­fahr­er Are My Heroes, daad­ga­lerie, Ber­lin (2004); Me­jor Vi­da Corp, Ta­mayo Mu­se­um, Mex­i­co Ci­ty (2000).&nb­sp;

Ku­ra­tor: Yil­maz Dziewior

#M­Lx­Cue­vas #schultze­pro­jects

Mar­cel Oden­bach
Wolf­gang-Hahn-Preis 2021

17.11.2021 - 20.2.2022

Mar­cel Oden­bach wird mit dem 27. Wolf­gang-Hahn-Preis der Ge­sellschaft für Mod­erne Kunst am Mu­se­um Lud­wig aus­gezeich­net. Für die Ju­ry, beste­hend aus Su­sanne Pf­ef­fer, Di­rek­torin des Mu­se­ums für Mod­erne Kunst in Frank­furt am Main, Yil­maz Dziewior, Di­rek­tor des Mu­se­um Lud­wig sowie den Vor­s­tands­mit­glied­ern der Ge­sellschaft für Mod­erne Kunst be­grün­dete Gastjurorin Su­sanne Pef­fer die Entschei­dung des Gre­mi­ums:

„Kon­struk­tio­nen von kul­tureller Iden­tität wie Gen­der sind in den Zeich­nun­gen, Col­la­gen, Videos und In­s­tal­la­tio­nen von Mar­cel Oden­bach seit Jahrzeh­n­ten dezi­diert The­ma. Nicht allein das Ei­gene, son­dern das An­dere ist stets der Aus­gangspunkt. Ex­per­i­men­tell in der Form sowie the­o­retisch fundiert, schafft Mar­cel Oden­bach Werke, die his­torische Verbin­dungs­linien zwischen Ko­lo­nial­is­mus und Glob­al­isierung wie auch die Ge­walt des Nor­ma­tiv­en und der Repräsen­ta­tion of­fen­le­gen und spür­bar machen.“

Das Prinzip des Col­lagierens zeigt sich in Oden­bachs Sch­nittvor­la­gen, die für die Samm­lung des Mu­se­ums er­wor­ben wer­den. Diese sind Bil­darchiv und zen­trale Ar­beits­grund­lage des Kün­stlers zu­gleich und nun er­st­mals in der Öf­fentlichkeit zu se­hen. Be­gon­nen im Jahr 1990 um­fassen sie über 100 Blät­ter, meist im DIN A3-For­mat. Die Fo­to­col­la­gen sind es­sen­tiell für den konzeptuellen An­satz Oden­bachs und eröff­nen den Be­such­er*in­nen des Mu­se­ums neue Ein­blicke in die Ar­beitsweise des diesjähri­gen Wolf­gang-Hahn-Preisträgers.

Mar­cel Oden­bach, *1953 in Köln, lebt und ar­beit­et in Köln, Ber­lin und Cape Coast, Gha­na. Oden­bachs jüng­ste in­sti­tu­tionelle Einze­lauss­tel­lung Mar­cel Oden­bach: Es bren­nt in der Kun­sthalle Nürn­berg läuft noch bis zum 10. Jan­uar 2021. Seine er­ste hatte der Kün­stler bere­its während seines Stu­di­ums 1978 bei der Stif­tung De Ap­pel in Am­s­ter­dam. Es fol­gten Einze­lauss­tel­lun­gen u.a. im Kun­st­mu­se­um Bonn (2013), Tel Aviv Mu­se­um of Art (2016) und der Kun­sthalle Wien (2017). Oden­bach war 1988 an der doc­u­men­ta 8 beteiligt, 2005 an der Shar­jah Bi­en­nale 7, 2012 an der Kochi-Muziris Bi­en­nale und 2018 an der Bu­san Bi­en­nale. Seit 2010 lehrt Oden­bach Film und Video an der Kun­s­takademie Düs­sel­dorf.

#wolf­gang­hah­n­preis #M­Lx­O­den­bach



Raghu­bir Singh. Kolka­ta

11.12.2021 – 27.3.2022
Präsen­ta­tion im Fo­to­raum

Der Fo­to­graf Raghu­bir Singh (1942 Jaipur - 1999 New York) kehrte über ei­nen Zei­traum von zehn Jahren im­mer wied­er nach Kol­ka­ta (das bis 2000 noch den Na­men Kalkut­ta trug) zurück, um ein kom­plex­es und vielschichtiges Fo­to­porträt der Metropole zu er­stellen. Aufgewach­sen in Jaipur, der Haupt­s­tadt des in­dischen Bun­dess­taates Ra­jasthan, be­suchte Singh Kol­ka­ta 1975 das er­ste Mal, bevor er sei­nen Lebens­mit­telpunkt nach Hongkong und Paris ver­legte; später woh­nte er in Lon­don und New York.

Vor allem in sei­nen Straße­nan­sicht­en verdichtet Singh die viel­fachen Ein­drücke Kol­ka­tas in far­blich und kom­pos­i­torisch beein­druck­en­den Fo­to­gra­fien. Die Far­bigkeit ist für Singh kennzeich­nend für Ge­o­gra­fie und Kul­tur In­di­ens. In sei­nen Fo­to­gra­fien wird mit ihr­er Hilfe die Aufmerk­samkeit so über das ganze Bild verteilt, dass Vorder- und Hin­ter­grund häu­fig wie auf ein­er Ebene er­schei­nen. Die un­ter­schiedlichen his­torischen Zeitschicht­en sind auf diese Weise in der Fo­to­gra­fie gleich­er­maßen verge­gen­wärtigt. Singhs Fo­to­gra­fien sind die Hom­mage eines Kos­mopo­liten an eine kos­mopoli­tische Stadt.

Ku­ra­torin: Bar­bara En­gel­bach

#M­LxS­in­gh