Rus­sische Avant­garde im Mu­se­um Lud­wig – Orig­i­nal und Fälschung
Fra­gen, Un­ter­suchun­gen, Erk­lärun­gen

26. Septem­ber 2020 – 3. Jan­uar 2021

Eröff­nung live auf In­s­ta­gram: Fr. 25.9.2020, 19 Uhr

Im­mer mehr Museen öff­nen sich nach langer Tabuisierung für ei­nen trans­par­en­ten Um­gang mit nicht au­then­tischen Ar­beit­en und tauschen Erken­nt­nisse aus. Mit ein­er Stu­dioausstel­lung zur Rus­sischen Avant­garde stellt sich das Mu­se­um Lud­wig den Fra­gen nach Au­then­tiz­i­tät in sein­er Samm­lung. Die Rus­sische Avant­garde bildet dank Peter und Irene Lud­wig – neben Pop Art und Pi­cas­so – ei­nen Samm­lungssch­w­er­punkt des Mu­se­ums: Sie um­fasst 600 Ar­beit­en aus der Zeit von 1905 bis 1930, darun­ter rund 100 Ge­mälde.

Aus un­ter­schiedlichen Grün­den ge­langten im­mer wied­er Werke fraglich­er Au­torschaft in pri­vate und in­sti­tu­tionelle Samm­lun­gen. Ar­beit­en von Kün­stler*in­nen der Rus­sischen Avant­garde wur­den – zum Beispiel auf­grund ihr­er ver­zögerten Rezep­tion nach dem Stalin­is­mus – be­son­ders häu­fig ge­fälscht. Noch in jüng­ster Zeit wur­den Bilder aus dies­er Epoche in Museen präsen­tiert, die sich als nicht au­then­tisch her­ausstell­ten. Auch das Mu­se­um Lud­wig ist be­trof­fen und un­ter­sucht derzeit mithilfe in­ter­na­tio­naler Wis­sen­schaftler*in­nen sys­te­m­a­tisch sei­nen Be­s­tand an Ge­mäl­den. Diese Forschun­gen bil­den ei­nen wichti­gen Bei­trag im in­ter­na­tio­nalen Diskurs zur Rus­sischen Avant­garde. Ein Ziel ist es, Falschzuschrei­bun­gen in der Samm­lung des Mu­se­ums zu iden­ti­fizieren und ken­ntlich zu machen.

Die Ausstel­lung präsen­tiert er­ste Ergeb­nisse. An­hand von 27 Werken von oder früher zugeschrieben an Ljubow Popowa, Kli­ment Red­ko, Niko­lai Suetin, Ni­na Ko­gan, El Lis­sitzky und weit­eren Kün­stler*in­nen wer­den kun­sthis­torische und tech­nol­o­gische Meth­o­d­en vorgestellt, die kün­st­lerische Hand­schriften oder auch Falschzuschrei­bun­gen erkenn­bar machen. Neben Bildern aus der ei­ge­nen Samm­lung wer­den einige aus­ge­wählte Lei­h­gaben aus dem Mu­se­um Thyssen- Bornemisza in Ma­drid und dem MO­Mus in Thes­sa­loni­ki, das die berühmte Cos­takis Samm­lung be­her­bergt, zu se­hen sein. Durch diese fre­undlichen Lei­h­gaben, alle Orig­i­nale, kön­nen in bis­lang einzi­gartiger Weise fragliche Werke im di­rek­ten Ver­gleich mit ihren Vor­bildern be­trachtet wer­den.

An­hand präg­nan­ter Beispiele kön­nen die Be­such­er*in­nen hin­ter die Kulis­sen schauen und sich selbst ein Bild von Prove­nien­zrecherche und ver­schie­de­nen Un­ter­suchung­stech­niken machen wie In­frarot- und Rönt­gen­bildern, Gewe­be­un­ter­suchun­gen und Ma­te­rial­a­nal­y­sen. Bes­timmte Pig­ment­nach­weise, wie et­wa Ti­tan­weiß di­e­nen als Mark­er, mit de­nen die vorgegebene Datierung eines Ge­mäldes über­prüft wer­den kann. Die Ausstel­lung präsen­tiert un­ter­schiedliche Per­spek­tiv­en von Forsch­er*in­nen aus der Res­tau­rierung, Kun­st­tech­nolo­gie und Kunst­wis­sen­schaft auf die Frage nach der Au­then­tiz­i­tät eines Kunst­w­erks.

Ein Film von Con­s­tantin Lieb (Pro­duk­tion: art-beats.de) gibt Ein­blick in die Un­ter­suchun­gen und die Zusam­me­nar­beit mit Wis­sen­schaftler*in­nen aus ver­schie­de­nen Bereichen.

Am 6./7. Novem­ber 2020 fin­d­et ein in­ter­na­tio­nales Sym­po­si­um im Mueum Lud­wig statt.

Aktuelle Forschungsergeb­nisse der Ausstel­lung kön­nen Sie sich hi­er on­line anse­hen.

Von den 100 Ge­mäl­den in der Samm­lung Rus­sisch­er Avant­garde im Mu­se­um Lud­wig ist die Hälfte kun­sthis­torisch und kun­st­tech­nol­o­gisch un­ter­sucht, die meis­ten von Dr. Maria Kokko­ri, Kun­sthis­torik­erin und Kun­st­tech­nolo­gin am Art In­sti­tute of Chica­go und Spezial­istin im Bereich der Rus­sischen Avant­garde in Zusam­me­nar­beit mit der Ge­mälder­es­tau­ra­torin des Mu­se­um Lud­wig, Pe­tra Mandt. 14 Ge­mälde von Michail Lari­onow und Na­talia Gontscharowa waren für eine Grund­la­gen-Un­ter­suchung aus­ge­wählt, die mit Dr. Jilleen Na­dol­ny vom Art Anal­y­sis Re­search In­sti­tute in Lon­don durchge­führt wurde.

Die Un­ter­suchun­gen der Ge­mälde wur­den großzügig von der Peter und Irene Lud­wig Stif­tung sowie dem Rus­sian Avant-garde Re­search Pro­ject un­ter­s­tützt; zusät­zliche Mit­tel ka­men von der Ger­da Henkel Stif­tung und der ZEIT Stif­tung. Die Ausstel­lung, der Ka­t­a­log und das be­glei­t­ende Sym­po­si­um wer­den eben­falls ge­fördert durch die Peter und Irene Lud­wig Stif­tung und dem Rus­sian Avant-garde Re­search Pro­ject sowie von der Ernst von Sie­mens Kun­st­s­tif­tung, der Bea­t­rix Lichtken Stif­tung, den Fre­un­den des Wall­raf Richartz Mu­se­um und des Mu­se­um Lud­wig und der Fritz Thyssen Stif­tung.

Ku­ra­torin­nen: Ri­ta Ker­st­ing und Pe­tra Mandt

Wir danken:

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