Mahnmahl für die Opfer des NSU

Am 19. Jan­uar 2001 ex­plodierte in der Köl­n­er Prob­stei­gasse ein Sprengsatz in einem iranischen Lebens­mit­telgeschäft und ver­let­zte die Tochter des Be­sitz­ers sch­w­er. Am 9. Ju­ni 2004 wur­den durch ei­nen ge­plan­ten Massen­mord, ei­nen Nagel­bom­be­nan­sch­lag auf die mi­gran­tisch geprägte Ke­up­s­traße in Köln, 22 Men­schen teils sch­w­er ver­let­zt. 2011 stellte sich her­aus, dass das ter­roris­tische, ras­sis­tische, so­ge­nan­nte NSU-Net­zw­erk für beide Bom­be­nan­sch­läge ve­r­ant­wortlich war und in einem Zei­traum von sieben Jahren zwei weitere An­sch­läge und zehn Morde be­gan­gen hatte.

2016 ve­r­an­s­tal­tete die Stadt Köln ei­nen kün­st­lerischen Wett­be­werb für ein Mah­n­mal in der Köl­n­er Ke­up­s­traße, das an das Nagel­bom­ben-At­ten­tat des so­ge­nan­n­ten NSU am 9. Ju­ni 2004 in der Ke­up­s­traße und am 19. Jan­uar 2001 in der Prob­stei­gasse erin­n­ern soll. Der im Novem­ber des gleichen Jahres aus­gewählte En­twurf des Ber­lin­er Kün­stlers Ulf Aminde basiert auf sei­nen Ge­sprächen mit den An­woh­n­er*in­nen und Ini­tia­tiv­en in Köln und verbin­det die Idee eines Mah­n­mals mit einem Ort der Begeg­nung.

Aus­ge­hend von dem Haus in der Ke­up­s­traße 29, dem Ort an dem 2004 die Nagel­bombe ex­plodierte, wird der Grun­driss der Bo­den­platte abgenom­men. Die ur­sprüngliche Fun­da­ment­platte des Haus­es misst ca. 6 mal 24 Me­ter.

In ex­akt dem­sel­ben Winkel und par­al­lel zu dem orig­i­nalen Haus wird die Bo­den­platte in ca. 30 cm Stärke an der Ecke Ke­up­s­traße / Schanzen­s­traße er­richtet. Sie ste­ht in ihr­er ab­s­trak­ten Form für ein Fun­da­ment eines noch zu er­rich­t­en­den Haus­es. Ge­meint ist eine zukünftige Ge­mein­schaft, die aussch­ließlich auf Di­ver­sität und Soli­dar­ität auf­baut. Hi­er ge­ht es darum, eine Grund­lage zu schaf­fen, ein Fun­da­ment zu le­g­en. Ent­ste­hen soll damit auch ein Platz des Ge­denkens, ein Ort der Ge­mein­schaft des Vier­tels, ein Tr­eff­punkt.

Auf­bauend auf den Geo­dat­en der Be­ton­platte, mit einem WLAN-Net­zw­erk und ein­er dazuge­höri­gen App, kann jedes Smart­phone oder Tablet die Be­ton­platte in ein Haus ver­wan­deln, das end­los in die Höhe wächst. Die Wände beste­hen dabei aus Fil­men, die ak­tiviert und von den Be­nutz­ern auf ihren Geräten angeschaut wer­den kön­nen. Die Vielzahl der Filme lassen so auf dem Smart­phone ein virtuelles Haus ent­ste­hen, das von allen be­treten wer­den kann. Eben­so sind alle ein­ge­la­den sich an dem Bau des Haus­es zu beteili­gen, in dem sie sel­ber Filme pro­duzieren und hoch­la­den.

Die Idee ist ein Fo­rum zu schaf­fen für mi­gran­tisch si­tuiertes Wis­sen. Das Mah­n­mal wird eine filmische Bühne und ein ku­ratiertes Archiv für jegliche Form des Wider­s­tands ge­gen Ras­sis­mus. Die Filme wer­den u.a. im Kon­text des Vier­tels ent­ste­hen in Zusam­me­nar­beit mit Schulen und Studieren­den. Eben­so gibt es Doku­men­ta­tio­nen über das Ver­sa­gen des Staates bei der Er­grei­fung der Ve­r­ant­wortlichen und in dem Um­gang mit den Opfern und Be­trof­fe­nen durch Pol­izei und Ge­heim­di­en­ste. Ent­ste­hen wird auch ein filmisch­es Archiv zur Geschichte des mi­gran­tischen Wider­s­tands ge­gen jegliche Form von Ras­sis­mus und Aus­gren­zung und der Soli­darisierung mit die­sen Kämpfen.

Präsen­ta­tion des Mah­n­mal-Mod­ells im Foy­er des Mu­se­um Lud­wig

Bis zum 28. Juli 2019 kön­nen Be­such­er*in­nen das ph­y­sische und virtuelle Mod­ell mithilfe eines zur Ver­fü­gung gestell­ten Tablets be­tracht­en. In der End­ver­sion kann der virtuelle Teil des Mah­n­mals mithilfe ein­er App von je­dem be­lie­bi­gen smarten Gerät anges­teuert wer­den.