Restaurierungswerkstatt
Foto: Lee M.

Restaurierung

Zwei In­s­tal­la­tio­nen von Nan­cy Graves

Mit den Schenkun­gen von Peter und Irene Lud­wig ge­langte ein Kon­vo­lut von Ar­beit­en von Nan­cy Graves in die Samm­lung des Mu­se­um Lud­wig: zwei Gemälde, zwei In­s­tal­la­tio­nen, 18 Pa­pierar­beit­en und zwei Filme der Kün­st­lerin. Ihre In­s­tal­la­tio­nen sind seit ger­aumer Zeit nicht mehr im Mu­se­um Lud­wig gezeigt wor­den.

Im Blick auf die Ret­ro­spek­tive zum Werk von Nan­cy Graves im Lud­wig Fo­rum Aachen wur­den um­fan­greiche Res­tau­rierungs­maß­nah­men in An­griff genom­men. Das größte und wichtig­ste Pro­jekt ist den In­s­tal­la­tio­nen Sha­man von 1970 und Cerid­wen, out of Fos­sils von 1969/77 aus der Samm­lung des Mu­se­um Lud­wig in Köln gewid­met. Bei­des sind Sch­lüs­se­lar­beit­en im Oeu­vre von Nan­cy Graves.
Für die Er­hal­tung der Werke hat Kathrin Keßler, Che­fres­tau­ra­torin des Mu­se­um Lud­wig, ein Team von Res­tau­ra­torin­nen zusam­mengestellt, zu de­nen Ver­e­na Pan­ter, Kas­ka Kmiotek und Anke Fre­und zählen. Ge­mein­sam mit der Kun­sthis­torik­erin Dr. Bar­bara En­gel­bach wer­den Lit­er­a­turquellen studiert, die Einzel­teile der Werke de­tail­liert analysiert und ein Res­tau­rierungskonzept erar­beit­et.

Cerid­wen, out of Fos­sils ist die er­ste Bronzear­beit von Nan­cy Graves. Wie in einem archäol­o­gischen Aus­grabungs­feld sind die 22 ange­blichen Di­nosau­ri­er-Skelett­teile an­ge­ord­net. Die ur­sprüngliche Fas­sung von 1969 aus Gips und Far­ben ließ Graves 1977 auf An­rat­en des Samm­lers Peter Lud­wig in Bronze gießen und Braun, Grün und Orange pa­tinieren. Die lange Zeit im Außen­raum präsen­tierten Knoche­nar­beit­en sind heute von ein­er Sch­mutz – und Staub­schicht be­deckt und punktuell ko­r­rodiert. Mit der von Di­pl.-Rest. Anke Fre­und ge­plan­ten, aufwendi­gen mech­anischen Reini­gung, ein­er an­sch­ließen­den par­tiellen Feuchtreini­gung und des Auf­trags eines ab­sch­ließen­den Schutzüberzuges wird das Werk im Herbst 2013 er­st­ma­lig wied­er der Öf­fentlichkeit präsen­tiert.

Wesentlich kom­plex­er und um­fan­greich­er er­weist sich die Res­tau­rierung von Sha­man, das als eines der Hauptw­erke auf der doc­u­men­ta 5 aus­gestellt war. Die 10 teils kokon­för­mi­gen, kreis­run­den oder länglichen von der Decke bis zum Bo­den her­ab­hän­gen­den ab­s­trak­ten Grund­kör­p­er der na­hezu 5 x 5 m große In­s­tal­la­tion sind mit zahl­reichen fili­gra­nen Einzelele­men­ten de­tail­reich aus­ges­tat­tet. Im Ge­samtein­druck kön­nte das Werk an rit­uelle Tänze und Fig­uren ur­sprünglich­er Na­turvölk­ern erin­n­ern. Un­er­wartete Ge­gen­stände, wie eine Rasierk­linge, die sich erst durch den ge­nauen Blick des Res­tau­ra­tors of­fen­bart haben, stören den er­sten Ein­druck, die Kün­st­lerin habe aussch­ließlich mit Na­tur­ma­te­rialien gear­beit­et. In der für Nan­cy Graves typischen Ir­ri­ta­tion­stech­nik er­wie­sen sich auch die vermeintlichen Fed­ern, Knochen und Zweige bis auf einzelne Tierzähne als Arte­fakte. Sie sind kün­stlich nachge­bildet aus Tex­til, Gips, Alu­mini­um­folie, Wachs, Dräht­en oder Kun­st­stoff­sch­läuchen und an­sch­ließend in Erd­far­ben, in Grün- oder Sch­warztö­nen ange­malt. Was von weit­em aussie­ht wie Zweige, beste­ht von Na­hem be­trachtet aus Me­t­all­dräht­en, mit fes­tem Gewebe und be­mal­tem Gips um­man­telt.
Dies ent­spricht der In­ten­tion der Kün­st­lerin, „trompe l'oeil" und konzeptuell-ab­s­trakte Kunst zu verei­nen. Die Kom­plex­ität und die Ma­te­rialviel­falt des Ob­jektes und das damit ver­bun­dene facet­ten­reiche Scha­dens­bild, das vom ge­broch­e­nen Gip­s­knochen, den ko­r­rodierten, freilie­gen­den Draht­stellen bis zum stark aus­geprägten Craque­le reichen, stellt die Res­tau­ra­torin­nen vor eine be­son­dere Auf­gabe.