Heinz Held, Heinrich Böll mit Manuskript, 1953
© Museum Ludwig, Köln, Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln

Die humane Kamera
Heinrich Böll und die Fotografie

1. September 2017 – 7. Januar 2018

An­läss­lich des 100. Ge­burt­s­tags von Hein­rich Böll be­fragt das Mu­se­um Lud­wig in sei­nen neuen Fo­toräu­men Bölls Ver­hält­nis zur Fo­to­gra­fie und dem Fo­to­gra­fieren – als Per­son des öf­fentlichen Lebens, als Ge­gen­s­tand sein­er Be­trach­tung, als Hilfs­mit­tel für sein lit­erarisch­es Schaf­fen und als Mo­tiv in sei­nen Schriften.

Ein Jahr nach Hein­rich Bölls Tod, im Jahr 1986, eröffnete das Mu­se­um Lud­wig im neu er­richteten Ge­bäude. Die Adresse lautet: Hein­rich-Böll-Platz. In der Samm­lung Fo­to­gra­fie des Mu­se­um Lud­wig befin­d­en sich zahl­reiche Werke, die Hein­rich Böll zei­gen. Denn als Au­tor war er selbst begehrtes Mo­tiv der Fo­to­grafen. Zu Le­bzeit­en er­schie­nen zwei Bild­bände sein­er Porträts, aufgenom­men u.a. von Heinz Held. Zu ihm un­ter­hielt Böll eine Fre­und­schaft und ließ sich von ihm auch im pri­vat­en Um­feld ablicht­en, eine durchaus be­merken­sw­erte Aus­nahme, da Böll eher kam­erascheu war. Aus dem Nach­lass Heinz Helds wird er­st­mals eine Auswahl sein­er Porträts von Böll präsen­tiert.

In ne­un Fo­to­bild­bän­den er­schie­nen je­doch zu sei­nen Le­bzeit­en auch Texte von Hein­rich Böll, neu ver­fasste oder wied­erver­wen­dete, so un­ter an­derem zu Chargesheimers Un­ter Krah­nen­bäu­men, Im Ruhrge­bi­et (beide 1958) oder Men­schen am Rhein (1960). 1964 publ­izierte Böll im Ka­t­a­log zur Wel­tausstel­lung der Pho­to­gra­phie den Text „Die hu­mane Kam­er­a“. Darin for­mulierte er eine Mo­ral der Fo­to­gra­fie: „Wo die Kam­era zu­dringlich wird, ihr In­stru­ment, das Ob­jek­tiv, zum In­stru­ment […] des Pho­to­graphen wird, der da­rauf aus ist, den Men­schen zu er­tap­pen, zu de­nunzieren, zu ent­lar­ven, über­schreit­et die Pho­to­gra­phie ihre äs­thetische und gleichzeitig ihre mo­ralische Grenze.“ Von „Ver­let­zun­gen“ spricht er auch. Und eine solche Ver­let­zung fin­d­et lit­erarische Ges­talt in Die ver­lorene Ehre der Katha­ri­na Blum (1974), wenn die Boul­e­vard­presse Blum in Wort und Bild ihr­er Würde be­r­aubt. Das Hu­mane, das Men­sch­sein – darin liegt Bölls In­teresse in der Lit­er­a­tur wie in der Fo­to­gra­fie. Denn eines sagt er klar: „Ich mache mir nicht viel aus Pracht-Fo­to­bän­den.“ Das Se­hen war für ihn der zen­trale Sinn, um sich die Welt zu er­sch­ließen: „(…) ein gutes Auge ge­hört zum Hand­w­erk­szeug des Schrift­steller­s“, heißt es im Beken­nt­nis zur Trüm­mer­lit­er­a­tur (1952). Für sei­nen Ro­man Frauen vor Fluß­land­schaft (1985) bat Böll sei­nen Sohn René um Fo­to­gra­fien aus­ge­suchter Orte in Bonn, die dann im Ro­man beschrieben wer­den. Auf­nah­men und ent­sprechende Text­stellen wer­den in der Präsen­ta­tion zusam­menge­führt.

Bölls Ver­hält­nis zur Fo­to­gra­fie kommt eben­so in sei­nen Ro­ma­nen und Geschicht­en über Fo­to­grafen und Fo­to­gra­fien zum Aus­druck. Als Mo­tiv und Me­ta­pher taucht die Fo­to­gra­fie wieder­holt auf, be­son­ders präg­nant in Anek­dote zur Senkung der Ar­beits­mo­ral (1963). An­hand von et­wa 50 Ex­po­nat­en aus Bildern, Büch­ern und Tex­ten wird die vielfältige Au­sei­nan­derset­zung Bölls mit der Fo­to­gra­fie gezeigt.